Show don’t tell

Show don’t tell – Die wichtigste Technik, um mitreißende Romane zu schreiben

Show don’t tell

Show, don’t tell

Wort für Wort deinen Roman zu einer packenden Reise für den Leser machen

Es gibt wunderbares Handwerkszeug, um tolle Romane zu schreiben. Ich habe dir in meinem Artikel über Figuren bereits einige Tipps gegeben, wie du deine Figuren facettenreich darstellst, und auch den Aufbau eines spannenden Handlungsgerüstes haben wir bereits auf Erfolgsrezepte untersucht. Jetzt geht es um den eigentlichen Text und wie du diesen mit “Show, don’t tell” richtig gut schreibst!

Nur eine einzige Technik wird dafür benötigt? Ja! Jedenfalls dann, wenn man “Show, don’t tell” bis in seine Tiefen begreift und übt!

Es gilt wieder zu lernen, richtig hinzuschauen. Das funktioniert natürlich nicht nur mit den Augen, sondern mit allen Sinneseindrücken. Es geht darum, wieder richtig schauen zu lernen, die Stille und den Lärm zu hören, den Duft und Gestank zu riechen. Wie schmeckt eigentlich ein Fischbrötchen zum Frühstück und wie fühlt sich Schmerz und Freude an?

Geschehnisse, Gefühle und Dinge sollten konkret mit Worten gezeigt werden. Nur so bekommt der Leser den Eindruck, es würde sich alles direkt vor seinen Augen abspielen. Wenn es dir gelingt, im Text darzustellen, dass eine Figur erleichtert, glücklich, traurig, zornig, verliebt und vieles mehr ist, überzeugt es den Leser und er fiebert mit. Das Geschriebene wird für den Leser spürbar und er wird direkt in die Szene hineingeholt, anstatt bloßer Zuschauer zu sein.

Show, don’t tell fällt mit wachsender Erfahrung und vor allem Übung leichter.

Der erste Satz

Du hast einen Plan oder eine Idee für deinen Roman. Aber wie SCHREIBST du ihn denn nun auf der Wortebene?

Die beste Idee nutzt nichts, wenn man sie nicht auf´s Papier bringen kann.

Und da liegt genau das Problem: Der erste Satz ist oft der schwerste.

Selbst wenn man den ersten Satz gemeistert hat, geht es weiter:

Wie viel Ausschmücken ist angemessen, wie und welche Adjektive und Adverbien verwendet man?

Was packen wir sonst noch in den Koffer namens „Text“, damit die Reise für den Leser ein freudiges Abenteuer und keine Enttäuschung wird?

Hände die auf einer Schreibmaschinen Tastatur liegen.

Es ist in gewisser Weise tatsächlich wie Kofferpacken für eine lange Reise: Wir wollen nicht zu viel mitnehmen, sodass der Koffer zu schwer wiegt und auf dem langen Weg zur Qual wird. Aber wenn wir die Grundausstattung vergessen, wird die Reise auch schnell ein Spießrutenlauf, je nachdem, was genau wir vergessen haben.

Daher zeige ich dir jetzt, was unbedingt auf deiner textlichen „Packliste“ stehen sollte:

Kino im Kopf erzeugen

Die richtigen Worte finden

Die Lösung heißt:

Show don’t tell – Zeigen, nicht berichten

“Show don’t tell” ist die eine, die wichtigste Schreibtechnik für mich!

Jurenka Jurk

Einen Polizeibericht mit „Alice im Wunderland“ zu vergleichen, macht uns schnell den Unterschied klar zwischen einem Text, den man kein bisschen genießt und einem Schreibstil, der uns in seine Welt zieht.

Sachliches Berichten wirkt in Romanen nicht packend, das gehört in Zeitungsartikel. Den Leser an die Hand nehmen und ihn vor seinem inneren Auge sehen lassen, was gerade passiert, das ist das Geheimnis. So geht der Leser ganz in den Worten auf – er lebt selbst in der Geschichte.

Bild einer Frau, die mit Popcorn auf eine Kinoleinwand schaut.

Es ist wie Kopfkino für den Leser!

Es geht darum, Bilder oder besser noch einen Film mit Worten zu malen. Die Handlungen, Gefühle, Abläufe und Geschehnisse sollten konkret mit Worten gezeigt werden. So, als würde es sich alles direkt vor den Augen des Lesers abspielen. Der Text wird dadurch für den Leser spürbar, seine Vorstellungskraft wird angeregt und er wird aktiv in die Szene hineingeholt. Das Lesen wird zu einem Miterleben. 

Beispiele

Beispiel 1

Anton fuhr die kurvige Straße entlang. Er öffnete das Fenster und schaute auf die schönen Blumenwiesen am Straßenrand. Er genoss die Fahrt.

Beispiel 2

Anton drosselte das Tempo und kurbelte das Fenster seiner Rostlaube herunter. Rings um ihn wogten Blumen in den Feldern. Die würzige Bergluft drang herein und spielte mit seinem Haar. Er atmete tief durch.

Kannst du den Unterschied erkennen? Sicher sind dies keine nobelpreisträchtigen Texte, aber es geht um ihre Wirkung. Ist es mir gelungen, im zweiten Beispiel mehr Bilder in deinem Kopf zu erzeugen? Siehst du vor deinem inneren Auge, wie Anton kurbelt, die Blumen sich hin und her wiegen, der Wind mit Antons Haaren spielt und er einatmet?

Schreibe aktiv und konkret!

  • Wenige, nicht ersetzbare Adjektive und Adverbien, dafür konkrete Verben und Nomen
  • Keine Wertung durch Adjektive wie „schön“ etc.

Sinnliche Details

Im zweiten Beispiel habe ich keine Wertungen durch unkonkrete Beschreibungen verwendet, wie durch „schön“, „angenehm“ oder auch „abscheulich“, „furchtbar“ (oder das Verb „genießen“).

Ich habe nur gezeigt, was Anton macht! Die Handlung steht im Vordergrund und lässt dem Leser Raum, diese zu deuten. Der Leser versteht aus dem Kontext, dass Anton langsamer fährt, weil er die Fahrt schön findet und nicht, weil ihm bei den Kurven schlecht wird. Dieses Zeigen nimmt den Leser mit auf die Reise.

Noch ein Beispiel: Emotionen

Er hatte Angst (ein Bericht). Besser:

Er schwitzte, seine Knie zitterten.

Er wischte sich die feuchten Hände an der Hose ab.

Frage dich, was deine Figur fühlt, wo und wie sie es fühlt. Als nächstes stelle dir vor, was genau sie tut.

Nur zeigen, nicht berichten, das ist der Trick!

Eine Frau zeigt acht verschiedene Gesichtsausdrücke.

In unserem Schreibespresso zeigt Katja 3 praktische Verwendungszwecke für Show, don’t tell und wie du mehr Übung darin bekommst. Hier geht es zum Video.

Streiche Erklärungen!

Beispiel: Er drückte sich eine Hand auf den Bauch und presste die Lippen aufeinander. Ihm wurde schlecht.

Streiche den zweiten Satz getrost und gib dem Leser die Möglichkeit, selbst zu interpretieren.

Beispiel: Die bunten Blätter knirschten unter ihren Schuhen und sie lächelte. Es war Herbst und sie war glücklich.

Beispiel: Er zog den Schal enger um den Hals, schob die Hände tiefer in seine Manteltaschen und drehte das Gesicht weg vom beißenden Wind. Es war ein kalter Wintertag.

Schreibübung

Hier habe ich noch eine kleine Übung für dich, damit du „Show, don’t tell“ richtig gut verinnerlichen kannst:

Eine Frau liegt mit geschlossenen Augen auf einer Wiese.

Stell dich nach draußen, schließe zunächst deine Augen und nimm alles in dich auf, was du fühlst, riechst und hörst. Danach kannst du die Augen öffnen und auch die optischen Eindrücke sammeln (da diese aber sehr dominant sind, ist es sinnvoll, erst mal “blind” zu beginnen).

  • Wie fühlt sich die Temperatur an (bitte keine Gradzahlen, sondern dein Gefühl)?
  • Was riechst du?
  • Woran erinnert dich der Geruch – hast du Erinnerungen, die davon wach werden?
  • Was hörst du – auch in der Ferne?
  • Welche Details siehst du, wenn du eine Sache etwas genauer betrachtest?

Nimm dir 5 Minuten, um alle Sinneseindrücke in dich aufzusaugen.Setz dich danach hin und schreibe 10 Minuten lang eine Beschreibung deiner Eindrücke, die gern durch Fantasie ergänzt werden darf.

Übe unbedingt beides: das Wahrnehmen und das Aufschreiben!

Variante für Schlechtwettertage oder Fernwehleidende: Stell dir deine Lieblingsjahreszeit an deinem Lieblingsort vor, und mache das gleiche Spiel, aber allein aus deiner Vorstellungskraft.

Du kannst deine Sinne überall und zu jeder Zeit trainieren, indem du sie bewusst einsetzt. 

Und denk daran: Alles beginnt mit einem Wort. Und dann kommt noch ein Wort und noch eines …

In diesem Sinne, viel Spaß beim Schreiben!

Deine Jurenka

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4 Kommentare

  1. Liebe Jurenka! Ich danke dir für diese Webseite mit all den Wegweisern für die Reise hin zum treffenden, packenden Schreibstil. Das sind wertvolle Aussichten, dank deinen Ansichten und Anweisungen – ich freue mich aufs üben und umsetzen!
    1. Super, dass dir unser Artikel so gut gefällt! Wie funktioniert die Technik für dich beim Umsetzen?
  2. Hallo
    vielen Dank für Eure Tipps, mit dem “show don’t tell” habe ich echt immer wieder Probleme – aber ich werde meinen aktuellen Text dringend daraufhin noch einmal untersuchen und nachbessern. Auch dass mehr manchmal zu viel ist (2. Satz streichen)… Danke.
    Allerdings, mein innerer Editor hat gleich aufgeheult, als ich den Satz las: “Keine Wertung durch Verben wie „schön“ etc.” – schön ist natürlich kein Verb, sondern ein Adjektiv ;-) Aber ansonsten habt ihr vollkommen Recht…
    LG Brigitte
    1. Liebe Brigitte,

      vielen Dank für deine Anmerkung, das habe ich gleich korrigiert! Show, don’t tell ist zwar nicht ganz einfach, macht aber auch unglaublich Spaß, wenn man sich darin vertieft. Dabei wünsche ich dir viel Freude!

      Liebe Grüße
      Kristin vom Team Romanschule

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